Sommerlochphantasien

3. August 2009

köhlerBundespräsident Horst Köhler verweigert Unterschrift.

Gegen 53 der in jüngster Zeit vom Bundestag beschlossenen Gesetzesänderungen hege er erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken; er wolle sie zunächst dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vorlegen lassen.

kauderVolker Kauder, CDU, entschuldigt sich in einem offenen Brief an den LSVD bei den „lesbischen und schwulen Mitbürgern der Bundesrepublik Deutschland“.
Er bedaure zutiefst seine Aussage, es gehe bei dem von Bundesjustizministerin Zypries geforderten Adoptivrecht „allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder“. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion erarbeite hingegen derzeit eine Vorlage, nach der das „Lebenspartnerschaftsgesetz“ abgeschafft und stattdessen eine „Gleichgeschlechtliche Ehe“ ermöglicht werden solle.

piusbruederStaatsanwaltschaft ermittelt nun doch gegen die Piusbruderschaft.

Norbert G. von der „Schützengilde Hubertus“ aus Großwallstadt war 47 Piusbrüdern bei sexuellen Handlungen mit Ihresgleichen auf der öffentlichen Toilette des Wallfahrtsorts Kevelaer ansichtig geworden. Ein Verfahren wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ ist anhängig.

angela_merkelBundeskanzlerin Angela Merkel wechselt ihren Schneider.

Der britische Designer John Galliano (Dior) habe Bereitschaft signalisiert, „the most beautiful and extraordinary garments“ für ihren völkischen folkloristischen volksnahen Volkskörper zu entwerfen.

Schade. Alles nur geträumt.

Auf die Plätze…

31. Juli 2009

… liebe Christdemokraten und Christsozialen, und hübsch brav zurückgetreten in die Reihe der Ewiggestrigen, religiösen Eiferer, Ultrarechten und homophoben Hassprediger!

Danke, Ihr macht es einem wirklich leicht, das Feindbild zu definieren!

Die Reaktionen zum von Justizministerin Brigitte Zypries geforderten Adoptivrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften sprechen für sich:

Wolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Wir sind nach wie vor der festen Überzeugung, dass Kinder am besten in einer Beziehung von Mann und Frau aufwachsen. Es gibt für uns keinen Grund, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft der traditionellen Ehe gleichzusetzen. Auch nicht beim Adoptionsrecht.“

Christine Haderthauer, CSU, Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen: „Die Einschätzung des Gesetzgebers, wonach Ehepaarfamilien am besten solche optimalen Bedingungen gewährleisten können, halte ich nach wie vor im Sinne des Kindeswohls für angemessen und richtig.“

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Es geht bei dem Vorschlag allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder (…) Volles Adoptionsrecht für Schwule und Lesben widerspricht den Interessen von Kindern.“

Norbert Geis, CSU: “Eine solche Adoption wäre nicht zum Wohle des Kindes. Das Kind braucht Vater und Mutter als Bezugsperson und nicht Vater und Vater – gerade als Adoptivkind.“

Marco Wanderwitz, Vorsitzender der Jungen Gruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Kinder sollten sich an dem gängigen Familien-Modell mit Vater, Mutter und Kind orientieren können.“

Maria Böhmer, Vorsitzende der Frauen Union der CDU: „Mit der Studie über das Kindeswohl in sogenannten „Regenbogenfamilien“ will die Bundesjustizministerin indirekt das Institut der Ehe angreifen und schwächen. (…) Es passt ins Bild, dass die SPD mit vielen einzelnen Nadelstichen versucht, die besondere rechtliche Stellung der Ehe quasi Schritt für Schritt auszuhöhlen. Ob es nun die Forderung nach einer Abschaffung des Ehegattensplittings oder jetzt das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ist. Dies wird mit uns nicht zu verwirklichen sein. Der Schutz von Ehe und Familie liegt bei uns in guten Händen! Wir werden Ehe und Familie weiter stärken.“

Danke. Und zurück in besagte Reihe. Und ins Mittelalter.

Und nun zu Frau Zypries:

Ja, auf den ersten Blick durchaus ehrenwert, diesen Vorstoß zu wagen.

Allein: während der 7 Jahre rot-grüner Regierung ist aus der Eingetragenen Lebenspartnerschaft nichts anderes geworden als eine „Ehe light“; hier hätte man sehr viel mehr erreichen können, wenn man denn gewollt hätte.

(beiseite: Der spanische Ministerpräsident Zapatero z.B. hat schon im ersten Jahr seiner Amtszeit die Gleichgeschlechtliche Ehe durchgesetzt, und das in einem ach so erzkatholisch geprägten Land.)

Die Empörung seitens der Sozialdemokraten und der Grünen ob der oben zitierten Stellungnahmen der Unionspolitiker wirkt somit dann doch eher unglaubwürdig und legt den Verdacht nahe, dass es sich um nichts anderes handelt als um populistisches Bundestagswahlkampfsäbelrasseln.

…fertig…

30. Juli 2009

… mit dem CSD Köln 2009?


Nein:

Zurückgeblickt,

Nachgehakt,

und Nachgetreten:

Es begab sich also im Februar des Jahres 2009, dass der KLuST (Kölner Lesben- und Schwulentag), seines Zeichens Veranstalter des hochgeachteten Christopher Street Day zur Heiligen Stadt am Rhein, ein Pamphlet veröffentlichte, das ein jeder, der kundtat, am feierlichen Umzug durch die Stadt, genannt „Gay Pride Parade“, oder „CSD-Parade“, oder „dä Rusemoondachszoch anderseröm“, teilnehmen zu wollen, zu unterschreiben habe. Den dort verzeichneten Regeln, in maßlos hochtrabender Weise „Charta“ genannt, sei Folge zu leisten, und Zuwiderhandelnde, so Euer Hochwohlgeboren, Rechtsanwalt [sic!] und Vorstandmitglied des KLuST, Markus Danuser, sollten „ öffentlich an den Pranger“ gestellt werden (Fascho, ick hör Dir trapsen…).

So weit, so doppelplusungut.

Der Schreiber dieser Zeilen, bisher in erster Linie den Schönen Künsten und naturgemäß dem männlichen Geschlecht zugetan, hingegen hinsichtlich politischer Aktionen doch arg zurückhaltend, war außer sich vor Wut und befand, nach intensiver Besprechung mit dem langzeit liebsten Mann von allen, adäquat zu reagieren.

(jetzt mal Schluss mit geschwollener Sprache; und weiter mit Klartext…)

Das vom KLuST herausgegebene Motto „Unsere Freiheit hat Geschichte – 40 Jahre CSD“ empfanden wir als zynisch vor dem Hintergrund der „CSD-Charta“. Die dort verfassten Benimmregeln sind offenbar nichts Geringeres als der Versuch, Teile der Community, und zwar dezidiert die Leder- und Fetischszene, zu stigmatisieren. Freiheit??

Unsere Reaktion sah dann so aus:

IMG_2719

Und alles Weitere in meinen Kommentaren hier und da.

Liebe Brüder und Schwestern vom KLuST,

nicht, dass ich Eure Arbeit nicht zu würdigen wüsste: Deutschlands (Europas?) größten CSD – und der besteht ja bei weitem nicht bloß aus der Parade – zu organisieren, ist eine gewaltige Aufgabe, die viel Kraft, Ideen, Durchhaltevermögen und uneingeschränktes Engagement erfordert. Danke dafür.

Aber mit der „CSD-Charta“ seid Ihr eindeutig übers Ziel hinausgeschossen!

Um der Gefahr der Spaltung innerhalb Eurer eigenen Reihen entgegenzuwirken, habt Ihr die Spaltung und Entsolidarisierung der Community insgesamt provoziert.

Wo soll das hinführen? Werden vielleicht demnächst High Heels als frauenverachtend indiziert und die Drag Queens von der Parade ausgeschlossen?

Und ist es vielleicht Euer Wunsch, alle Paradeteilnehmer mit Hilfe von Motto-T-Shirts zu uniformieren?

Und: Vorauseilender Gehorsam ist sicher eine typisch deutsche Untugend – bei einer politischen Demonstration wie dieser wirkt das eher kontraproduktiv. Die Staatsgewalt ist ohnehin bei der Parade präsent und gleichermaßen willens wie in der Lage, eventuelle Gesetzesverstöße entsprechend zu ahnden.

Und wenn Ihr Euer diesjähriges CSD-Motto schon historisierend verbrämt und zurückschaut nach Stonewall, dann ruft Euch bitte auch in Erinnerung, wofür der CSD steht: nämlich für den Kampf um Freiheit, Vielfalt und Menschenwürde; Euer Gutmenschentum steht dazu im krassen Gegensatz!

Also nochmals: Weg mit der „Charta“! („Bruche mer nit, wulle mer nit, fott domit!“)

(Fortsetzung folgt)

… los!

30. Juli 2009

… geht’s mit meinem Blog.

Und dabei wusste ich vor einem halben Jahr noch nicht einmal, was so ein Blog überhaupt ist.

Angefangen hat alles mit der vom KLuST veröffentlichten „CSD-Charta“ (später davon mehr). Das hat mich sehr in Rage versetzt und ich wollte zuerst nur mal im Internet schauen, wie sich die schwul(lesbische) „Community“ dazu verhält. Und dann fand ich das hier und dies und das und das und noch das eine und das andere und dachte: prima, schöne Art der Kommunikation, mag ich. Vor allem waren viele Posts allein sprachlich auf hohem Niveau, und das machte (und macht) einfach Spaß zu lesen. In dieser Hinsicht ist mir die Süddeutsche Zeitung ja auch näher als der Kölner Express. Außerdem imponierte mir die Ernsthaftigkeit der Blogger, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen; angesichts vermeintlich zunehmender Oberflächlichkeiten und Unverbindlichkeiten fand ich das schon bemerkenswert.

Vom Chatten habe ich bisher die Finger gelassen, weil ich Menschen gerne in die Augen sehe, wenn ich sie kennenlernen will, und zudem sind mir Rechtschreibfehler ein Graus…

(„Wie, Du bist nicht bei Gayromeo??“ „Nee, ist mir viel zu anstrengend! Dann häng ich ja nur noch vor’m Compi. Außerdem geht es da doch immer nur ums F***n, das ist mir echt zu blöd, und außerdem hab ich ja nen Freund.“)

Der Chat ist für viele sicher ein passender Weg, Kontakte zu knüpfen; mir ist ein Gespräch in der Kneipe bei dem einen oder anderen Glas Kölsch dann doch allemal lieber.

Aber diese Blogs (und die Netzwerke, die sich damit auftun) haben eine ganz andere Qualität. Ja, ich weiß, ich vergleiche jetzt Äpfel mit Birnen, und: na klar, da gibt es solche und andere. Wir leben halt in einer bunten Welt (säusel säusel, oft bemühte Floskel, ich weiß…), und jeder macht, wie er kann. Oder will.

Und ich will halt gerade jetzt (auch) das.

Mal schauen, wo’s hinführt…